Trauma Bewältigungstherapie
Ein in der Vergangenheit belastendes Ereignis/Trauma kann in der Gegenwart für diverse Symptome verantwortlich sein. Das belastende Ereignis gleicht einer Krake, die in der Vergangenheit hockt. Von dort aus streckt sie immer wieder einen oder mehrere Arme in die Gegenwart. Hierdurch kommt es zu PTBS oder Trauma-Folgestörungen.
Wenn es sich um eine erinnerbare Situation handelt, sind die Bilder an Ereignissen wie auf einer Leinwand gebrannt. Sie sind voll präsent und haben über die Jahre nichts von ihrer Bedrohung verloren. Obwohl das Ereignis lange vorbei ist, lässt das Unterbewusstsein es nicht zu, dass es ins Langzeitgedächtnis verschoben wird. Ein Grund hierfür ist häufig, dass es bei traumatisierenden Ereignissen zu einer so genannten Fragmentierung kommt. Das Gesamtbild wird in Einzelteile zerlegt, um die Bedrohung zu reduzieren und das Überleben zu sichern. Es entsteht eine blockierte Informationsverarbeitung.

Dorothee Gluderer
Bei erinnerbaren Situationen ermöglicht die Behandlung eine Kombination aus Farbbrillen und Augenbewegungen, das Auffinden fehlender Puzzelteile und die Erinnerung kann ins Langzeitgedächtnis verschoben werden.
Die mit dem Ereignis zusammenhängenden Symptome verschwinden, Bilder verblassen, Gefühle verschwinden.
Eine Retraumatisierung findet nicht statt.
Fallbeispiele Trauma Bewältigungstherapie
Eine Frau Mitte 50 klagte über Schuldgefühle, die sie seit Jahren nicht los wird. Auslöser war die plötzliche Trennung von ihrem Ehemann. Ihr Ehemann hatte sich aus scheinbar heiterem Himmel auf dem Parkplatz eines Supermarktes von ihr getrennt und ist dann zu seiner neuen Freundin gezogen. Die Scheidung war schon einige Jahre her, aber das schlimme Gefühl blieb.
Ich bot ihr meine Traumatherapie mit Farbbrille und Augenbewegungen an.
Sie willigte ein und wir starteten mit der 1. Brille (Rot).
Ich lies mir die Situation erzählen. Die Erzählung beginnt immer in der Zeit vor dem traumatischen Erlebnis. Mit jeder neuen Brille kommen mehr Details ins Bewusstsein. Die Geschichte wird klarer und bekommt immer mehr Zusammenhang. Die anfängliche Aufregung wird weniger und der Verstand wird klarer. Das Schuldgefühl weicht der Wut und später der Erkenntnis.
Ab der 8. Brille (Indigo) hört sich ihre Erzählung an wie ein Bericht. Sie bekommt Abstand zu der Situation und spricht wie ein Reporter der detailreich beschreibt.
Am Schluss ist sie zufrieden mit sich und der Situation. Sie fühlt sich frei, ist jetzt nicht mehr gefangen in der Schuldfalle.
Der Gedanke an das Trennungsgespräch verursacht keine Gefühle mehr. Es ist jetzt ein Teil ihres Leben und es hat keine Macht mehr über sie.
Wir sind beide sehr glücklich.
Frau S. 47 Jahre alt, bekam bei Starkregen und Gewitter regelmäßig Panikattacken. Der Auslöser war ein schreckliches Erlebnis im Urlaub, bei Starkregen und Gewitter. Ihr Partner ist bei diesem Wetter schwer verunglückt und war 30 Stunden nicht auffindbar. Das Unglück war schon 2 Jahre her, aber das schreckliche Ohnmacht-Gefühl blieb. Die Patientin litt sehr unter dieser Lebenseinschränkung.
Ich erklärte der Patientin meine Traumabehandlung mit Farbbrillen und Augenbewegungen.
Frau S. brauchte etwas Zeit um sich auf die Traumatherapie einlassen zu können und war sehr aufgeregt.
Brille für Brille rekonstruierte sie den zeitlichen Ablauf des schrecklichen Erlebnisses. Alle fragmentierten/vergessenen Teile der Geschichte wurden chronologisch zusammen gebracht.
Ab der 8.Brille wurde ihre Erzählung ruhiger, sachlicher und Frau S. bekam Abstand zu dem Ereignis. Sie fühlte jetzt, dass dieses Ereignis vorbei ist. Das alle Beteiligten es überlebt haben und jetzt in Sicherheit sind.
Es war eine anstrengende Sitzung für Frau S. und sie brauchte 3 Tage bis sie sich von der Therapie erholt hatte.
2 Wochen später waren wir wieder verabredet. Das Wetter war schlecht. Es regnete stark und es zog ein Gewitter durch. Frau S. kam pünktlich zum Termin, sie hatte keine Angst und auch das mulmige Gefühl war nicht zu spüren und blieb weg.
Wir waren beide sehr glücklich.
Eine junge Frau kam wegen massiver Essstörungen und Übelkeit zu mir in die Praxis. Schulmedizinisch war die Patientin ohne Befund. Ich fragte sie während der Anamnese, ob sie irgendein Gefühl mit ihren ungewöhnlichen Gelüsten verbindet. Sie erzählte mir, dass sie in ihrer Kindheit von ihrem Onkel missbraucht worden ist, hatte aber keine konkreten Erinnerungen daran. Diese Erinnerungslücken sind in solchen Fällen nicht ungewöhnlich. Das menschliche Gehirn fragmentiert während des Traumas das Geschehen um es zu überleben. Die Informationsverarbeitung ist blockiert, hängt im Unterbewusstsein fest und kann dadurch nicht im Großhirn verarbeitet werden.
Ich erklärte ihr meine Trauma-Bewältigungs-Therapie mit Farbbrillen und Augenbewegungen. Sie hatte große Angst vor Retraumatisierung und brauchte etwas Bedenkzeit.
Wir starteten mit der Behandlung und der 1. Brille.
Ich bat sie zu berichten an welchem Tag das Ereignis geschah und fragte gezielt nach Umgebung und Situation. Zunächst erinnerte sie nur die Fahrt zu ihrer Familie und das sie dort zusammen mit ihrer Schwester übernachtet hatte. Die war etwa 6 Jahre alt.
Mit der 2. Brille kamen ein paar weitere Einzelheiten dazu. Wie der Flur in der Wohnung aussah und dass sie etwas gegessen hatten.
Mit der 3. Brille erinnerte sie was sie gegessen hatten und wo sie gesessen hat.
Brille für Brille kamen neue Erinnerungen mit genauer Detailbeschreibung hinzu. Ach ja, dann wollten wir in den Zoo gehen, kam es mit der 4. Brille hoch.
Mit der 5. Brille erinnerte sich die junge Frau an ein Erlebnis im Badezimmer, zunächst nur das sie dort gewesen war, aber nicht genau was dort geschah. Die Patientin wurde unruhig.
Die 6.Brille brachte die Situation im Badezimmer ans Tageslicht. Der Onkel hat sie in die Dusche gebracht, sie sollte sich duschen, er saß auf dem Toilettendeckel und trocknete das junge Mädchen dann ab, was ihr unangenehm war.
Mit der 7. Brille erinnerte sie sich an die Situation beim Essen. Es gab Nudeln mit Tomatensauce und sie hatte sich mit der Sauce sehr vollgekleckert. Sie hatte Wechselzeug mit und sollte sich abspülen gehen.
Die 8. Brille brachte die Erinnerung mit der Tante. Wo war denn die Tante? Die Tante war kurz aus dem Haus und kam wieder als das Mädchen mit dem Duschen fertig war und der Onkel sie abtrocknete.
Ab dieser Brille wurde die Erzählung mehr zu einem Bericht, die Patientin war weniger aufgeregt und konnte sich nun mehr und mehr an die genauen Details erinnern.
Mit der 9. Brille erinnerte die Patientin sich an die Situation im Badezimmer wie folgt: Der Onkel trocknete die Nichte ab und die Tante kam ins Badezimmer und rief: „Was machst Du da!“ Sie zerrte das Mädchen aus dem Badezimmer ins Wohnzimmer. Dort zog sie die Nichte an, ging mit ihr anschließend aus dem Haus und setze sich mit ihr in ihr Auto. Dort sagte sie zu dem Mädchen: „Was Du hier erlebt hast darfst Du niemandem sagen!“ Am nächsten Tag fuhren sie wieder nach Hause. Das Mädchen berichtete zuhause nichts von ihrem Wochenende.
Mit der 10.Brille wiederholte sie die gesamte Geschichte von Anfang bis Ende und erkannte den wahren „Täter“. Die Drohung der Tante hat die Situation mit dem Onkel zu etwas „Verbotenem“ gemacht. Die Patientin konnte jetzt ihre Wut auf die richtige Person projizieren und war sich nun sicher, dass sie nicht missbraucht wurde.
Die Essstörung hörte auf, die Übelkeit verschwand und das Gefühl der Demütigung hörte auf.

